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Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitäts-Störung

(seit Einführung des ICD 11 Zusammenführung von ADHS und ADS zu einer Störung)


Dieses Wort ist wie ein Affront gegen Betroffene!

Laut ICD11 (internationales Klassifikation aller Krankheiten) ist die ADHS eine Störung der neuronalen Entwicklung und wird unter dem Schlüssel 6A05 beschrieben. Sie teilt sich in drei Subtypen:

  • vorwiegend unkonzentriert (6A05.0)
  • vorwiegend hyperaktiv-impulsiv (6A05.1)
  • kombiniert (6A05.2)

Zurück zum Affront: Wer unkonzentriert und/oder hyperaktiv-impulsiv ist, wird mit dem Lesen des Namens der Störung entweder gar nicht fertig oder bereits zornig! 

"So ist (leider) unser Alltag! Oft stehen wir Kopf!"

Betroffener, 16 Jahre alt



Fragen über Fragen

  1. Wer ist betroffen?
  2. Woher kommt das?
  3. Welche Probleme folgen daraus?
  4. Geht das wieder weg?
  5. Wie kann man damit leben?
  6. Gibts da auch was Positives?


1. Betroffene in Ö

Es gibt keine exakten Zahlen, daher nachfolgend eine grobe Schätzung:

  • vermutlich 5 bis 15 % aller Kinder und Jugendlichen
  • Burschen etwa doppelt so häufig wie Mädchen (vermutlich Mädchen oft unentdeckt)
  • ca. 70 % erbliche Vorbelastung
  • häufiger Frühgeborene oder pränatal belastete Kinder

2. Ursachen

Es wird noch intensiv geforscht, aber aktuell vermutet man Folgendes:

  • neurobiologische Besonderheit: Mangel an Neurotransmittern Dopamin und Noradrenalin
  • wenig aktiver präfrontaler Kortex
  • Mikronährstoffmangel

Verstärker:

  • Reizüberflutung
  • Stress und Traumata
  • (vermutl.) Zuckerkonsum

3. Probleme, die aufgrund einer ADHS entstehen können

Probleme zeigen sich in allen Lebensbereichen, insbesondere:

  • Konzentrationsschwäche: Chaos, Aufschiebeverhalten, Unzuverlässigkeit, Schulden
  • Impulsdurchbrüche: riskantes Verhalten, soziale Isolation durch zwischenmenschliches Fehlverhalten
  • Schlafstörungen
  • Mangel an Wohnraum- und Körperpflege
  • Leistungsversagen trotz zumindest durchschnittlicher Intelligenz, Schulabbruch, Minderwertigkeitsgefühl
  • Suchtverhalten (Substanz- und Verhaltenssüchte, z.B. Alkohol, Nikotin, Drogen, Gaming, Kaufsucht, Binge Eating)
  • Kriminalität: Diebstähle, Drogenhandel, Gewalthandlungen

Etwa 80 % der Betroffenen haben Komorbiditäten wie Depressionen, Ängste, Suchterkrankungen, Messie-Syndrom.


4. Heilungschancen

ADHS ist unheilbar, verändert sich aber meist über die Lebensspanne, spätestens im Erwachsenenalter.


5. Leben mit ADHS

  • Erlernen von Bewältigungsstrategien
  • Medikation
  • Abnahme der Hyperaktivität im Erwachsenenalter

6. Positives an ADHS

Obwohl die "Vorteile" von ADHS wissenschaftlich diskutiert werden, zeigen sich doch immer wieder besondere Eigenschaften oder Fertigkeiten, die ADHS-Betroffene zu ganz besonderen Menschen machen.

  • schnelle Auffassungsgabe, Reizoffenheit, detaillierte Wahrnehmung
  • Spontaneität, Ehrlichkeit ("reden, ohne zu denken")
  • Begeisterungsfähigkeit, Erfindungsreichtum und Kreativität (beginnt viele Projekte)
  • Empathie, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeitssinn, mutige Weltverbesserer
  • Charme
  • Sportlichkeit
  • Hyperfokus (Flow-ähnlicher Zustand)